1. Regionalpolitisch: Es gibt drei gültige Bezirksbeschlüsse (der Leopoldstadt und der Brigitttenau) gegen eine weitere Verbauung des Augartens,
  2. Falsches Signal für weitere Projekte: Das „Anknabbern“ des Parks öffnet Tür und Tor für weitere Bauwerke im Park. Wertvolle öffentliche Grünfläche gingen wiederum unwiederbringlich verloren.
  3. Verschließung statt Öffnung des Parks: Statt eines öffentlichen Zugangs würde ein möglicher Eingang abgesperrt. Eigentümer-Vertreter des Augartens ist das Wirtschaftsministerium. Die Wiener Sängerknaben hätten schon längst die versprochene Öffnung zulassen können. Sie taten aber schon bisher das Gegenteil, beanspruchten, weit über ihren Mietgegenstand hinaus, Parkbesucher fernzuhalten. Angesichts der zunehmenden Expansionswünsche des Vereines WSK dürfte es bei dieser Haltung bleiben.
  4. Parkschutzgesetz: Das Bauvorhaben ist für ein Parkschutzgebiet überdimensioniert. Dachs, Waldohreule und Spechte müssten den Baggern für immer weichen.
  5. Denkmalschutzgesetz: Dem Denkmalschutz wurde nur vordergründig Genüge getan – tatsächlich hätten die Bauwerber nachweisen müssen, dass es keine alternativen Standorte gegeben habe – was allerdings nicht zutrifft: Es gibt mehrere gangbare Varianten, die sowohl attraktiv als auch in zumutbarer Nähe sind! Die Beweispflicht für die Behauptung, alternative Standorte stünden nicht zur Verfügung, trifft den Verein WSK!

Das Denkmalamt hat nicht überprüft, sondern hat, ohne zu prüfen, die Behauptungen übernommen und zur Grundlage seiner Entscheidung gemacht!

Warum die bisherige Vorgangsweise von Bauwerber und Politik sehr bedenklich sind:

Nicht nur das Bauvorhaben selbst ist städteplanerisch unsinnig. Auch die bisherige Vorgangsweise des Vereins Wiener Sängerknaben, ihres Sponsors Peter Pühringer sowie einiger Politiker und Behörden ist mehr als bedenklich.

  1. Vorspiegelung falscher Tatsachen: Seit Anbeginn behaupten die Bauwerber, dass „…inzwischen alle Baubewilligungen erteilt wurden…“[1] – was teilweise schlichtweg unwahr ist  (z.B. Genehmigung zum Abriss des Portiersgebäudes oder die Genehmigung für die Probebohrungen, beides war zum Zeitpunkt der Behauptung nicht gegeben, ersteres widersprach sogar dem Denkmalschutzgesetz!) – offensichtlich wurden sowohl vom Bund (Wirtschaftsministerium, vertreten durch die Burghauptmannschaft) wie auch von der Gemeinde Wien informelle Zusagen gemacht, bevor ordentliche Verfahren eingeleitet wurden, bzw. bevor das Resultat dieser Verfahren vorlag.
  2. Undemokratische Vorgangsweise: Öffentlicher Raum wird ohne Diskussion mit den „Parkbesitzern“ (der Wiener Bevölkerung) und gegen deren erklärten Willen (über 10.000 Unterschriften gegen weitere Verbauungen!!) den Partikularinteressen eines privaten Vereins geopfert. Der zur Konfliktlösung um 150.000 Euro einberufene so genannte „Leitbildprozess Augarten“ entwickelte sich zur Farce – so blieb von Anfang an der geplante Bau der Konzerthalle als Thema für die – unter Bürgerbeteiligung stattfindende ExpertInnenrunde – ausgeklammert und der Konflikt somit prolongiert. Das Wirtschaftsministerium vermietet – wie ein präaufgeklärter Herrscher es tun würde – den Augartenspitz noch während des „Entscheidungsprozesses“ – an die Wiener Sängerknaben.
  3. Ungebührliche Bevorzugung des Vereins der Wiener Sängerknaben auf Kosten von uns SteuerzahlerInnen: die Miete für 1.000 Quadratmeter zentrumsnahen Grund beträgt 10.000 Euro – soviel kostet im 2. Bezirk eine schöne 100 Quadratmeter Wohnung…
  4. Ungenügende Kontrolle durch die Behörden: Die (noch dazu nicht genehmigten) Probebohrungen vor Ort sind – entgegen anders lautender Behauptungen durch die MA 45 – sehr wohl über die Grundwassergrenze von 5m Tiefe hinausgegangen. Dafür gibt es Beweise.
  5. Unverhältnismäßiger Polizeieinsatz: Obwohl besagte Bohrungsgenehmigung noch nicht vorlag, wurde der künstlerisch und durch Zelte besetzte Augartenspitz mit einem unverhältnismäßigen Einsatz der „Anti-Terroreinheit“ WEGA (ca. 100 Einsatzkräfte bei ca. 13 „BesetzerInnen“) auf Befehl der Polizeidirektion Wien und auf Verlangen der Burghauptmannschaft bzw. auf Geheiß der Wiener Sängerknaben geräumt – wobei sich beide in den Medien auf den jeweils anderen beriefen, den Einsatzbefehl gefordert zu haben.

[1] Z.B. Walter Nettig im Jahresbericht der Wr. Sängerknaben 2008/09

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